Spotify …Podcasts am Arsch!

SPOTIFY, du Sohn einer Mutter!


Ohne VorankĂŒndigung, heimlich still und leise, hat Spotify dieser Tage etliche (alle?) Musikpodcasts aus seinem Angebot geschmissen. Darunter auch Podcasts mit zehntausenden Followern, die allesamt von diesem Schritt ĂŒberrascht wurden und aufgrund des geschlossenen Spotify Systems ihre Hörerschaft zu großen Teilen fĂŒr immer verloren haben. Spotify macht damit klar, das sie aufgrund ihrer Marktposition die Deutungshoheit ĂŒber den Begriff „Podcast“ beanspruchen. Auch wir sind betroffen.


Einige haben sich bei Erscheinen der Episode #39 verwundert die Augen gerieben, dass der Eternity Metal Podcast nicht mehr in Spotify zu finden ist. Das ging uns nicht anders.

Was ist passiert? Nun, nach einiger Recherche in sozialen Medien wurde klar, das hier kein temporĂ€res technisches Problem vorliegt, sondern unangekĂŒndigt und mit Vorsatz gehandelt wurde. Spotify definiert einfach selbst was Podcasts sind und was nicht. Okay, es ist ihre Plattform und sie können natĂŒrlich frei bestimmen was sie in ihrem Katalog anbieten. Warum das alles aber trotzdem einigermaßen skandalös ist und zudem verdeutlicht, welche Gefahr von geschlossene Plattformen wie Spotify fĂŒr ein Ökosystem wie die Podcast Landschaft ausgeht, möchte ich versuchen etwas zu verdeutlichen:
Spotify hat sich in den letzten 2-3 Jahren massiv dem Medium Podcast gewidmet, welches sich bis dato vor allem durch seine offene, mehr oder weniger dezentrale, bzw. zumindest plattformunabhĂ€ngige Vertriebsstruktur ausgezeichnet,- und dadurch weltweit an Bedeutung gewonnen hat. Von diesem Kuchen wollte man natĂŒrlich etwas abhaben. Also fing Spotify an ihre Plattform fĂŒr Podcasts zu öffnen. Hunderttausende Podcasts folgten dem Aufruf und listeten ihre Episoden fortan auch bei Spotify. Innerhalb 2-3 Jahren wurde Spotify damit zum mittlerweile marktbeherrschenden Anbieter fĂŒr Podcasts. Die Podcaster profitierten einerseits von der bereits vorhandenen Spotify Hörerschaft – und Spotify profitierte davon, das etliche Podcasts ihre gesamte Hörerschaft auf Spotify schleppte und den Kundenstamm von Spotify damit nochmal vergrĂ¶ĂŸerte. Win-Win möchte man meinen. Soweit so gut.

Die Gefahr von Spotify fĂŒr Podcaster ist der Mißbrauch der Marktmacht.

Von Anfang an gab es in der Podcast Landschaft allerdings kritische Stimmen zu dieser Entwicklung und spĂ€testens als die ersten Podcasts in sozialen Medien nicht mehr ihre eigene Website und die Feed Adresse, sondern einzig und allein den Link zu Spotify promoteten (weil es ja fĂŒr „jedermann“ so schön einfach ist) standen den ersten Schwarzmalern die Haare zu Berge. Man befĂŒrchtete den Verlust ĂŒber die Kontrolle des eigenen Mediums und ein, bei genĂŒgend Marktmacht, autokratisches Formatdiktat. Warum? Schauen wir uns mal an wie Podcasts funktionieren, was sie ausmacht und warum Spotify bei dem was sie als „Podcast“ anbieten dem Ganzen so grundsĂ€tzlich entgegen steht.


 

Spotify ist keine Podcast Plattform – und war es auch nie

Ein von jeher im Medium Podcast tief verankerter Aspekt ist die Transparenz der Quelle. Die zugrunde liegende RSS Architektur enthĂ€lt neben den Angaben ĂŒber LĂ€nge, DateigrĂ¶ĂŸe und Veröffentlichungsdatum unter anderem auch sĂ€mtliche Infos zum eigentlichen Anbieter. Im dazu gehörenden XML Feed enthalten sind u.a.: Kontaktemail, Website des Anbieters, Backlinks zu den jeweiligen Original Artikeln der jeweiligen Episoden, Direktlinks zu den Original Audiodateien, detaillierte Infos zur Episode und anderes. Jeder Podcatcher und jedes Podcast Portal greift auf diese Daten zu und stellt sie, mal mehr oder weniger offensichtlich, dem User zur VerfĂŒgung. Dieser hat damit die Möglichkeit jederzeit die Quelle dessen, was er da hört, nachvollziehen und verifizieren-, aber auch selbst in Kontakt zum Podcast Anbieter treten zu können. Auf den unterschiedlichen Plattformen werden diese Möglichkeiten unterschiedlich dargestellt. Hier mal einige Beispiele:

Bei Spotify sucht man sowas (bisher) vergebens. Es gibt im Grunde keinen Weg aus Spotify hinaus, weil dies nicht im Sinne von Spotify ist. Ziel ist es die User um jeden Preis auf der Plattform zu halten. Spotify bietet keine Verlinkung zu Episoden Seiten, keine Links zum eigentlichen Anbieter (*), keinen Link zum ursprĂŒnglichen RSS Feed und nichtmal einen Link zu den ursprĂŒnglichen Audiodateien. Ja, selbst diese werden auf Spotifys Server kopiert und dort bei Bedarf verĂ€ndert. Von fehlenden Funktionen wie Kapitelmarkern will ich gar nicht anfangen.
Kurz: Niemand kann ohne weiteres prĂŒfen, ob das, was er auf Spotify hört oder liest, auch genau so vom Anbieter des Podcasts veröffentlicht wurde – und im Zweifelsfall auch nicht, wer der Anbieter eigentlich genau ist. Spotify hat von Beginn an verhindert, das der User Wege aus dem geschlossenen System heraus findet. Dabei sind die Podcast Spezifikationen zum Bereitstellen dieser Informationen seit mehr als 15 Jahren offen und standardisiert. Es wĂ€re natĂŒrlich fatal, wenn Podcast Hörer feststellen, dass ihr auf Spotify gefundener Podcast in Wirklichkeit noch viel umfangreicher ist,  eine umfassende Website hat, oder gar Funktionen wie Kapitelmarker, Episodenbilder, Kapitelgrafiken etc anbietet, welche aber nur auf der Website (oder nahezu jedem anderen Podcast Abspiel Programm) verfĂŒgbar sind.
* Einige Podcast Anbieter umgehen das, in dem sie Links in ihre eigentlichem Beschreibungstext unterbringen.

Man hat nun also systematisch in den letzten 2-3 Jahren einen großen Teil der Podcaster und deren Hörerschaft auf Spotify gelockt und mittlerweile einen dominierenden Anteil am Podcast Markt aufgebaut, der dazu fĂŒhrt, dass fĂŒr viele Hörer „Podcast“ gleichzeitig als Synonym fĂŒr „Spotify“ steht. Somit hat Spotify auch die de facto Deutungshoheit ĂŒber den Begriff inne, völlig unabhĂ€ngig davon das dieser schon seit gut 15 Jahren existiert und deutlich vielschichtiger ist, als das, was Spotify darunter anbietet.

Und jetzt kommen wir zu den negativen Folgen der in den letzten Jahren, zugegeben auch von Podcastern billigend mitgetragenen, gestiegenen Marktmacht: Wenn ein Großteil der Hörer „Podcast“ mit  „Spotify“ assoziiert, und gar nichts davon weiß, dass – und in welchem Umfang Podcasts auch außerhalb von Spotify existieren, dann hat Spotify die Macht, festlegend zu entscheiden was und wie ein Podcast zu sein hat. Im jetzt konkreten Fall entscheidet Spotify, das Podcasts vor allem eins nicht sind: Sendungen die Musik enthalten!
Jahrelang waren diese Podcasts gut genug um Spotify zu dieser Marktdominanz zu verhelfen und an die Plattform zu binden. Jetzt hat Spotify beschlossen, sĂ€mtliche Musik Podcasts rauszuschmeißen. Und das ohne auch nur einen Podcaster darĂŒber zu informieren. Dazu muss man wissen, das Spotify den angemeldeten Podcastern durchaus ein kleines Backend zur VerfĂŒgung stellt, in welchem man in der Regel ĂŒber neue Funktionen, Änderungen etc informiert wird.
DarĂŒber, dass Musikpodcasts nicht lĂ€nger auf Spotify angeboten werden, wurde aber NIEMAND informiert. Hörer suchen in den letzten Tagen ihre Lieblingspodcasts vergeblich und die Podcaster wundern sich wo denn ihr Podcast abgeblieben ist. Darunter etliche Podcasts die auf Spotify 10000 Follower und mehr hatten. Da Spotify, wie beschrieben, keine RĂŒckverlinkungen auf Website oder Feed angeboten hat, ist ein Großteil dieser Hörer fĂŒr immer weg. Und schlimmer noch: Da viele Podcasts mittlerweile fast nur noch auf Spotify veröffentlicht-, oder bisweilen nur ihre Spotify Links geteilt und promoted haben, stehen diese Podcasts vor einem kompletten Neuanfang. Eine AnkĂŒndigung mit einem Zeitfenster wie „Ab MĂ€rz 2020 werden wir keine Musikpodcasts mehr anbieten“ hĂ€tte den Leuten zumindest die Gelegenheit gegeben sich darauf vorzubereiten, fĂŒr Alternativen zu sorgen oder seine Hörer zu informieren.
Dies allein zeigt wie wenig Respekt man den Podcastern entgegen bringt, die lange Zeit dafĂŒr gesorgt haben, das Spotify in diesem Bereich so ein unglaubliches Wachstum verzeichnen kann.

Spotify interessiert sich nicht fĂŒr Podcaster

… und auch nicht fĂŒr das Medium Podcast. Spotify interessiert sich nur fĂŒr seine Plattform. Auf Nachfrage erhielt ich dann zumindest noch eine Antwort, in welcher mir bestĂ€tigt wurde, das „Spotify nicht lĂ€nger seine Plattform fĂŒr Musikpodcasts bereitstellen will, völlig unabhĂ€ngig davon unter welcher Lizenz diese Musik veröffentlicht wurde.“ Es geht hier also auch nicht um mögliche Lizenzproblematiken, sondern einzig und allein darum, dass Musikpodcasts auf Spotify offenbar dem eigenen GeschĂ€ftsmodell entgegen stehen, wohl auch, weil sie sich offenbar nicht problemlos monetarisieren lassen. Mit dieser Entscheidung wird das öffentliche Bild dessen, was Podcasts eigentlich sind und vor allem alles sein können nachhaltig beeinflusst.


 

Fazit?

Besucht die Websiten zu euren Lieblingspodcasts, hört sie auf freien Plattformen, oder mittels des RSS Feeds in einem Programm eurer Wahl! Dieser Vorgang zeigt wie groß die Gefahr  des protegieren von Spotify fĂŒr Podcaster ist! Jetzt sind es vielleicht nur die Musikpodcasts. Im nĂ€chsten Schritt sind es aber vielleicht eure Lieblingspodcasts, weil sie eine Konkurrenz fĂŒr Spotifys eigene Produktionen darstellen, mit denen sich vielleicht auch besser Geld verdienen lĂ€sst.

P.S. Fick dich Spotify!

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